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Frauenhände bemalen Wände
Zwei hannoversche Künstlerinnen stellen sich vor

 

Nach einem alten schönen Wort ist die Architektur die Mutter der Künste. Nun, eine besonders liebevolle Mutter ist sie heutzutage gerade nicht. In einer Zeit, da in einem solch ungeheuren Ausmaß gebaut wird, gibt es, leider, Gebäudefronten und Räume genug, die jeden künstlerischen Schmuck entbehren. Vielen Bauherren und Architekten läuft eine Gänsehaut über den Rücken, wenn sie das Wort Schmuck nur hörenl Doch wer weiß, ob nicht in einigen Jahren das große Gähnen über sie kommt, wenn sie sich in den von ihnen nach Schema F erbauten Straßen — zwei Wohnwürfel schlicht, zwei Wohnwürfel kraus - fast zu Tode langweilen? Glücklicherweise aber gibt es, gerade auch in Hannover, immer noch öffentliche und private Bauherren, die sich des eingangs zitierten Wortes erinnern und es in die Tat umsetzen.
Da ist zum Beispiel das 'Niedersächsische Innenministerium. Am Waterlooplatz hat es unlängst seinen schönen lichten Neubau bezogen. Der kleine Sitzungssaal darin hat jetzt durch Eise Marie Ambrosius aus Isernhagen einen wertvollen Wandschmuck bekommen. Von der in einem warmen, milden Rotbraun gehaltenen Wand leuchten weiß in zierlichen, schwungvollen Linien zwei Gruppen von Pferden und Reitern hervor — sinnvoller Hinweis auf Niedersachsen als klassisches Land der Pferdezucht. und des Pferdesportes. Die Arbeit ist in der schwierigen Technik des Gipsschnittes ausgeführt; unzählige Studien waren nötig, ehe der Entwurf begonnen werden konnte. Immer wieder skizzierte Eise Marie Ambrosius Pferde, springende Pferde, grasende Pferde, Pferde in allen nur erdenklichen Bewegungsarten. „Sie können es mir glauben, ich habe sogar nachts schließlich von Pferden geträumt", sagte die Künstlerin. Aber es hat sich gelohnt, denn die nun vollendete Darstellung, die in manchem an die berühmten Parthenon-Pferde denken läßt, spiegelt bei aller Konzentration auf das Wesentliche, jene ursprüngliche Kraft und tänzerische Anmut, die das Pferd, dieser edle Gefährte des Menschen, besitzt.
Else Marie Ambrosius, Mitglied der „Freien Gruppe", war nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule als Gebrauchsgraphikerin, später als freie Malerin tätig. Seit langem schon lockte es sie zur Wandmalerei. Um so größer ist ihre Freude, daß sie jetzt durch diese Arbeit zum erstenmal ihre Fähigkeiten in größerem Umfang beweisen konnte.
Es ist kein Zufall, daß das Wandbild einer anderen hannoverschen Malerin, Hilde von Cosel, sich weiter vom Vorbild der Natur entfernt. Zu einem guten Teile ist es durch den Geist mitgeprägt, der dort herrscht, wo es seinen Platz gefunden hat: in der Technischen Hochschule. Professor Hensen vom Franzius-Institut für Wasserbau hat diese Komposition für sein Arbeitszimmer in Auftrag gegeben. In sicher gefügtem Aufbau vereinigt die Darstellung die Elemente, die das Leben des Gelehrten bestimmen. ja, das Bild ist ein Stück Wesensdeutung des Auftraggebers. Satt und matt schimmern die Farben dem Beschauer entgegen, und die mit geometrischer Klarheit gezogenen Linien, die die Welt der Dinge formelhaft abkürzen, stehen in reizvollem Widerspiel zu der wie ein Strom dahinfließenden Maserung der Kirschholzplatte, die dem Ganzen als Grund dient. Auch dies eine überzeugende Lösung!
Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule war Hilde von Cosel an der Berliner Akademie Schülerin von Emil Orlik und hatte u. a. Verbindung mit dem Kreis der „Brücke". Auch sie liebt die Wandmalerei besonders. Zahlreiche Entwürfe, darunter eine Darstellung „Der Sturm auf dem Meer" für eine Dorfkirche in der Heide, sowie zahlreiche ausgeführte Arbeiten lassen ihren sicheren künstlerischen Griff und ihr Anpassungsvermögen erkennen. In Hannover befinden sich Arbeiten Hilde von Cosels u. a. im Hauptbahnhof (Milchbar), im Verkehrsverein, im Gebäude der Bundesbahn in der Luiesenstraße und im Polizeidienstgebäude in der Herschelstraße.


Hannover Allgemeine Zeitung, 22.September 1955

Der originale Zeitungsausschnitt


 

Spieglein in Narrimans Hand

 


Aus dem kleinen niedersächsischen Burgwedel wanderte ein Bildthema in das Land am Nil, nach Kairo. Mit einem freundschaftlichen Atelierbesuch fing es an: Der Hildesheimer Gold- und Silberschmied Theodor Blume hatte Eva Maria Ambrosius aufgesucht, die Graphikerin und Malerin, und in ihren Mappen blätternd fand er ein Skizzenblatt, auf dem in Federmanier ein altes Motiv neu gestaltet war: "Der Tod und das Mädchen". Diese Skizze verwandelte sich in Hildesheim in silberne Realität: Blume nahm das Blatt mit und gravierte die Zeichnung von Eva Maria Ambrosius, der weiblichen Gestalt Plastik gebend, auf die Rückseite eines Silberspiegels. Die nächste Station des Weges, der aus Niedersachsen nach Ägypten führte, war Venedig. Dort präsentierte im Palazzo Grassi am Canale Grande das "Instituto per il lavoro" die "Internationale Silberausstellung, Venedig 195l". Die deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V." beteiligte sich, und zu dem, was Theodor Blume an Erlesenem aus seiner Werkstatt geschickt hatte, gehörte auch der Spiegel mit der Silbergravur: "Der Tod und das Mädchen". Außerdem waren aus Italien, England, den Niederlanden und den nordischen Ländern kostbare Arbeiten vorgelegt worden. Unter den Besuchern der usstellung war auch Ägyptens König Faruk, und es war Meister Blumes Spiegel mit dem nachdenklich stimmenden Motiv, der ihm vor allem gefiel. Er wünschte, ihn zu kaufen, aber der Spiegel hatte schon einem anderen gefallen und war verkauft. König Faruk wird eine zweite Fassung des kleinen Kunstwerks - dessen Abmessungen sind 15X9,3 Zentimeter m 925/ 1000 Silber - erhalten, für Königin Narriman. Sie soll das Kleinod aus Deutschland zum Geschenk erhalten.
H. v. G.

Der original Ausschnitt

Das Kunstwerk


 

Ausschnitt "Hannoversche Presse" 3.9.1954

Drei kleine Kunstausstellungen

.. Im Eingangsraum der Rathausapotheke, Karmarschstraße 44, sind gleich eine ganze Reihe bekannter Maler und Malerinnen zu einer lebendigen kleinen Ausstellungen vereint. Im schönsten Licht der Schmalwand links kommen hier zwei Aquarelle von Else-Marie Ambrosius, Isernhagen, "Inseln wie Schiffe" und "Abend im Hafen" zur vollen Geltung. Grundverschieden in der Stimmung schieden entfalten sie jedes für sich ihren spezifischen Reiz. Das eine, sehr frisch im Aufbau, in hellen lebhaften Farben, ist wie durchdrungen von Sonne und südlichem Licht. Das andere, mit viel Weiß überall zum zarten Blau rechts vorlelagerter Dächer und einer Mädchenfigur links, wirkt wie schraffiert. Dem herben Reiz dieser Komposition kommt die gewählte Technik vorzüglich zustatten.

 


 

Ausschnitt "Hannoversche Presse" 21.8.1948

Gedok Nachwuchs

.. Aber die Überraschung der kleinen Ausstellung ist die Hildesheimerin E.-M. Ambrosius. Hier ist offenbar ein exemplarischer künstlerischer Durchbruch erfolgt, und zwar nicht auf dem Wege des formalen Experiments, sondern unter dem zwang innerer Erlebnisse, die sich ihre eigenen Ausdrucksformen schufen. Die Titel der graphischen Blätter ("Fürchtet Euch nicht", "Petrus", "Auferstehung", "Engel und Dämon" usw.) verraten , in welcher Tiefe sich diese Erlebnisse abspielen. Die Aussagen darüber sind äußerst knapp, überzeugend sicher und mit einer inbrünstigen Strenge formuliert. Es ist etwas maßlos Erschrockenes, aber auch zugleich tröstlich Antwortendes in diesen Blättern

 

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